Aktuelle Nachrichten

Junge Geflüchtete vor Corona und Traumata schützen. Dezentrale Unterbringung jetzt!

Appell der Aktionsgemeinschaft Junge Flüchtlinge in NRW

Download des Appells
mit Ansprechpartner und Mitgliedsorganisationen der Aktionsgemeinschaft

Die derzeitige Situation geflüchteter Menschen an den europäischen Außengrenzen hat sich durch die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie noch einmal enorm verschärft. In den grenznahen Flüchtlingscamps muss die Lage aufgrund der hygienischen und psychosozialen Bedingungen sogar als humanitäre Krise bewertet werden. Insbesondere die etwa 7.000 Kinder und Jugendlichen im Flüchtlingslager in Lesbos sind von körperlicher und sexualisierter Gewalt, Erkrankung und Traumatisierung bedroht. Über 1.000 von ihnen sind zudem als „Unbegleitete Minderjährige“ auf sich allein gestellt. Vor diesem Hintergrund wirkt das wochenlange und zähe Ringen der Bundesregierung über die Aufnahme von lediglich 47 (!) unbegleiteten Minderjährigen am 18.04.2020 geradezu zynisch. Auch wenn das Land NRW sich bereit erklärt hat, mehrere hundert Geflüchtete aufzunehmen, müssen dem schnell Taten folgen.

Ferner ist die Situation in den Zentralen Unterbringungseinrichtungen in NRW für Kinder und Jugendliche traumatisierend und gefährdend. Mehrbettzimmer, fehlende Rückzugsmöglichkeiten und die Benutzung der Sanitäranlagen von vielen Personen bieten derzeit nicht die notwendigen Hygienestandards. In der Erstaufnahmeeinrichtung in Euskirchen wurden bereits 48 Personen positiv auf das Coronavirus getestet. Alle der rund 300 Bewohner_innen stehen nun unter

Quarantäne. Kinder und Jugendliche sind in dieser Situation nicht nur von einer Ansteckung mit dem Coronavirus bedroht. Am 19.03.2020 setzte das Land NRW per Erlass die Zuweisung von Asylsuchenden in die Kommunen aus. Dadurch bleiben die ohnehin geringen Teilhabechancen an Bildung, Förderung und Freizeitangeboten noch länger eingeschränkt.

Die Aktionsgemeinschaft Junge Flüchtlinge NRW
- fordert die Räumung der grenznahen Flüchtlingscamps und insbesondere die beschleunigte Aufnahme – auch in NRW – von Kindern  und Jugendlichen in dieser Krisensituation
- appelliert an die Landesregierung, es umgehend zu ermöglichen, dass Kinder, Jugendliche und Familien mit Kindern, unabhängig von ihrer Bleibeperspektive, in die Kommunen zugewiesen und dezentral in Wohnungen untergebracht werden!
- fordert mit Blick auf junge Geflüchtete die Schaffung von menschen- und kinderrechtskonformen Lebensbedingungen sowie Teilhabechancen – auch in der Krise!

Wuppertal, 27. April 2020

zurück zur Übersicht